Wenn Frauen sich auf ihre Kraft der Anteilnahme an allen Wesen, der Liebe und des Wissens besinnen, wenn sie die Männer nicht mehr bekämpfen, aber auch nicht imitieren, wenn sie untereinander eine tiefe Solidarität und Kooperation finden, dann kann eine machtvolle globale Frauenkraft entstehen. Die folgenden Thesen sind Vorschläge für einen Zusammenschluss von Frauen über alle Kulturen und Weltanschauungen hinweg.

1. Die positive Überwindung des Patriarchats
Frauenmacht ist nicht gegen den Mann gerichtet und nicht gegen unsere Liebe zu den Männern, sie verlässt aber entschlossen diejenigen männlichen Strukturen, die zu der weltweiten Vernichtung des Lebens und der Liebe beigetragen haben. Der Planet Erde konnte nur in diesen elenden Zustand geraten, weil wir Frauen mitgemacht bzw. es erduldet haben. Wir haben unsere Fähigkeit der Geduld an der falschen Stelle eingesetzt. Die aktive Beteiligung der Frauen am Patriarchat lag in ihrem Entzug und ihrem Dauerschweigen, das ihnen allerdings mit den schlimmsten Mitteln aufgezwungen wurde. Ohne unsere weibliche öffentliche Stellungnahme findet niemand mehr aus der Sackgasse heraus. Es liegt jetzt an uns Frauen, die politische und sexuelle Verantwortung wieder anzunehmen, die so lange gefehlt hat. Wir laden alle engagierten Männer ein, sich unserer Friedensarbeit anzuschließen.

2. Solidarität unter Frauen
Frauensolidarität ist die Grundlage einer neuen Frauenbewegung und einer gewaltfreien Kultur. Es geht um eine Solidarität, die auch dann standhält, wenn zwei Frauen denselben Mann oder dieselbe Frau lieben. Neben dem Aufbau unserer vielfältigen Liebesbeziehungen pflegen wir den Kontakt und die Gemeinschaft unter Frauen. Unser Konkurrenzkampf untereinander hört auf, weil wir nicht mehr privat lieben und keinen Liebespartner mehr für uns alleine haben wollen. Dieses Denken gehört nicht zur weiblichen Natur, es wurde uns im Laufe der Geschichte durch die Treuegebote und die Besitzansprüche des Mannes aufgezwungen. Wir haben da mitgemacht und unser natürliches Denken aufgegeben. Im entstehenden neuen Frauenfeld kommen Frauen zusammen, die entschlossen sind, eine neue weibliche Kultur aufzubauen. Wir werden grundsätzlich eine Politik der Liebe betreiben und dafür sorgen, dass die Liebe sich vermehrt. Wir pflegen unsere Freundschaft und Gemeinsamkeit durch die Teilnahme an den Themen dieser Welt.

3. Die sexuelle Natur der Frau
Die Frau wird ihre sexuelle Natur bejahen und Verantwortung dafür übernehmen. Sie verbindet sich wieder mit dem sexuellen Paradies der Leiber, aus dem sie der patriarchale Gott vertrieben hat. Dieser patriarchale Gott wurde zur Unterdrückung der Frau und der Sexualität erfunden. Indem die Frau ihre sexuellen Impulse bewusst gestaltet und gesellschaftlich integriert, beginnt ihre wirkliche Emanzipation und ihre besondere Würde als Frau. Sexualität braucht zur Entfaltung Wahrheit und Vertrauen. Die Frau weiß das und tut auf weiche Art einiges dafür, die Männer von ihren heimlichen Impotenzsorgen zu befreien. Eine wesentliche Wurzel für die Gewalt in der Gesellschaft liegt in der unterdrückten und fehlgeleiteten Sexualität. Frauen werden die Lösung dieses Themas nicht länger den Männern überlassen.

4. Liebe und Treue
Liebe kann nicht eingezäunt werden. Liebe ist keine Privatsache. Das weiß die neue Frau. Du kannst nur treu sein, wenn du auch andere lieben darfst. Treue bewährt sich nicht durch die Ausschließung, sondern durch die Einbeziehung anderer. Das ist ein selbstverständliches Prinzip einer neuen weiblichen Ethik. Eifersucht gehört nicht zur Liebe, sondern zu einem krankhaften System von Verlustangst und Misstrauen. Für die Verwirklichung freier Liebe und dauerhafter Treue brauchen wir Gemeinschaften, in denen Wahrheit, Transparenz und Vertrauen entstehen können. Die Befreiung der Liebe von Angst, Einengung, Anklammerung und falschen Treueschwüren geschieht durch Vertrauen. Treue entsteht dort, wo wir uns entscheiden, dem treu zu bleiben, was wir lieben, und dafür öffentlich einzutreten. Wenn eine Frau im Zustand der Liebe ist, kann sie niemals verlassen werden.

5. Partnerschaft
Partnerschaft ist ein hohes und noch wenig erreichtes Ziel in der menschlichen Evolution. Sie ist die höchste Stufe in der Entwicklung frei liebender Menschen. Das gilt für das Zusammenleben und -wirken der Geschlechter miteinander auf diesem Planeten, und es gilt für die Partnerschaft zwischen zwei einzelnen Menschen. Partnerschaft basiert auf dem Prinzip der Ergänzung und Polarität statt auf dem von Herrschaft oder Gleichmacherei. Partnerschaft basiert auf dem Prinzip der Freiheit statt auf dem der Umklammerung. Partnerschaft basiert auf der Eigenverantwortung der beiden Partner. Partnerschaft kann nur in einem geistigen Feld der Liebe entstehen, die nicht mehr an Bedingungen gebunden ist. Partnerschaft verlangt deshalb die Emanzipation beider Geschlechter.

6. Berufsbildung
Frauen werden die so genannten männlichen Berufe nicht mehr nur den Männern überlassen. Sie werden weibliche Qualitäten und Denkweisen in alle Forschungsbereiche einbeziehen: Das sind vor allem die Qualitäten der weichen Kraft, der weichen Auflösung von Widerständen, der Kommunikation statt Abgrenzung, der Integration statt Kollision. Diese Qualitäten werden von den Frauen nicht nur in den sozialen Bereichen entwickelt, sondern auch in den politischen, technologischen, wissenschaftlichen. Auch Technologie und Wissenschaft brauchen ein anderes Denken, um auf neue Weise mit Widerständen und Widersprüchen umgehen zu lernen. Eine gewaltfreie Kultur beginnt mit gewaltfreiem Denken.

7. Netzwerke des Friedens
Engagierte Frauenherzen leben für die Überwindung aller „Ismen“ und Dogmen, denn diese dienten letztlich immer der Unterdrückung von Lebenswahrheiten und der Verdrängung der Sexualität. Frauen werden dem Prinzip der Öffnung und der Anteilnahme folgen. Durch ihre kreatürliche Sinnlichkeit helfen sie, die Grenzen der Angst und der daraus folgenden Gewalt zu überwinden. Sie beteiligen sich aktiv am Aufbau eines internationalen Friedensringes: ein Netzwerk des Herzens, das über allen Religionen, Weltanschauungen und Parteizugehörigkeiten steht. Woman power: das ist die friedenschaffende Kraft der weichen Macht. Es ist nicht mehr die Macht, Leben zu vernichten, sondern die Macht, Leben zu erzeugen, zu bewahren und weltweit zu schützen.

8. Tiere
Es gibt ein weibliches Wissen über die Verbundenheit aller Lebewesen. Frauen werden sich wieder mit ihrem Instinkt von Schutz, Pflege und Wärme für alles Lebendige verbinden. Sie lösen diese Fähigkeiten von jeder Sentimentalität und setzen sie definitiv der gegenwärtigen Situation von Schlachthöfen, Pelzfarmen und Tierlabors entgegen. In diesem Punkt gibt es keinerlei Toleranz mit den bestehenden Tötungseinrichtungen der patriarchalen Kultur. Alles, was Augen hat in der Evolution, will leben, sehen, erkennen, teilhaben an diesem Wunder der Schöpfung. Augen sind für die Neugier da. Es ist grausam, junge Wesen, die noch ganz am Anfang ihrer Erkenntnis leben, kontaktlos zu töten, um sie zu essen. Eine neue Frauenbewegung wird auch daran mitwirken, aus diesem Wahnsinn auszutreten. Das gehört tief zum alten und neuen Frauenwissen: Es gibt nur ein Sein, und was wir unseren Mitgeschöpfen antun, das tun wir immer auch uns selber an. In einer neuen Frauenbewegung setzen wir alle unsere geistigen und sexuellen Mächte ein, damit diese Massaker an unseren Mitgeschöpfen ein Ende haben.

9. Ökologie
Ökologie ist die Lehre vom Kontakt und Zusammenleben aller Lebewesen. Der Mensch hat dieses Zusammenleben gestört und hat die Aufgabe, es wieder zu heilen. Wir sind alle Organe des Einen Seins. Alles was lebt, ist beseelter Teil der großen, planetarischen Familie der Schöpfung, Gaia Erde. Es gibt in dieser Allianz des Lebens keine Feinde und keine Schädlinge. Als Ökologen und Ökologinnen einer neuen Kultur sprechen wir nicht nur über die Lebewesen, sondern mit ihnen. Die Bejahung unserer eigenen Wildnatur öffnet uns für den Kontakt mit der äußeren Natur und befähigt uns zur Anteilnahme, zur Kommunikation und zur Heilung. In Kooperation mit der Natur – das ist kein Schlagwort, sondern eine reale Quelle von unerschöpflichem Wissen, Freundschaft und Seelenqualität des Lebens. Wasser, Energie und Nahrung stehen der ganzen Menschheit kostenlos zur Verfügung, wenn wir der Logik der Natur folgen. So werden wir bewusster Teil einer lebendigen Erde, die alle Wesen mit allem 195 versorgt, was sie zum Leben brauchen. Wir erkennen Menschenrechte und Erdrechte wieder als Einheit. Somit entsteht ein ethisches Bewusstsein, das sich an den Grundwerten des Lebens orientiert.

10. Religion
Frauen werden sich auf neue Art mit dem ursprünglichen Impuls der Schöpfungsreligionen verbinden. Wir folgen dabei keinem Glaubensdogma, keinem Katechismus und keiner Kirchenlehre. Es gibt aber einen religiösen Urimpuls, den wir lieben, weil er zum Leben gehört. Wir haben keine Religion mit Gott an der Spitze. Unsere Religion ist das Leben selbst. Wir pflegen den sakralen Charakter der Welt in der Aufmerksamkeit für die einfachsten Dinge und das Geheimnis, das ihnen innewohnt. Es gibt Wahrnehmungsbereiche des Lebens, die stehen jenseits von Definition und Diskussion. Frauen werden aktiv neue archetypische Kräfte der Schöpfung abrufen, die Heilkraft für die Seele haben.

11. Integration der Wut
Wenn wir auf diese jahrtausendealte Männerkultur zurückschauen und sehen, wie heute noch fast überall derselbe Wahnsinn herrscht – Wahnsinn in der Liebe, Wahnsinn in der Technologie, Wahnsinn im Umgang mit Kindern und Tieren, Wahnsinn im Krieg – dann stellt sich uns die Notwendigkeit einer inneren Umkehr. Wir können nicht mehr schweigen. Es ist zu viel. Zu viel Blut ist geflossen und fließt immer noch. Wir können aber auch unserer Wut darauf nicht einfach freien Lauf lassen, denn dann würde noch mehr Blut fließen. Wir müssen unsere Wut umformen zu einer Energie, die vor keinen Widerständen mehr halt macht und sich durch nichts mehr auf der Welt einschüchtern lässt. Es ist eine stille, große, sehr entschlossene Energie. Aus jeder Revolution ist bisher neue Unterdrückung entstanden. Jetzt benutzen wir unsere revolutionäre Kraft für die Beendigung der sexuellen Gewalt, für die Beendigung aller Leiden, die der Mensch, vor allem der männliche, mit unserer Duldung und Mittäterschaft so lange und so furchtbar an aller Kreatur vollzogen hat. Nicht mehr gegen etwas, sondern entschlossen für etwas! Wir brauchen die Kraft der Wut, aber nicht mehr als Kraft gegen die Männer, sondern als Kraft für den bedingungslosen Schutz allen Lebens.

12. Weiche Macht
Die Männerherrschaft hat über 3.000 Jahre lang die Geschichte geprägt und dabei das Prinzip der harten Kraft aufgebaut. Die Macht männlicher Gesellschaften bestand im Brechen von Widerständen. Das äußerte sich in den Eroberungszügen, den Religionskriegen, den Erziehungsmethoden und den Methoden der Technik im Umgang mit der Natur. Durch diese Methoden ist der heutige Mann selbst in eine innere Sackgasse geraten, aus der er ohne weibliche Hilfe nicht mehr herausfindet. Weiche Macht ist die Macht, Widerstände durch Herzkraft und Schwierigkeiten durch Leichtigkeit zu überwinden. Wir brauchen dafür entweder ein jahrtausendelanges Training oder wir nutzen die Kräfte, die wir Frauen von Natur aus haben. Weiche Macht ist ein Ordnungsprinzip, dem sich auf Dauer auch die härtesten Männer fügen, wenn sie merken, dass es in ihm keine Rache, keine Bestrafung und keine Hintergedanken gibt. Die harten Männer sind ja so hart geworden, weil ihnen diese weiche Macht gefehlt hat. Es ist die Macht der Mütter, die entschlossen den Schutz für ihre Kinder übernommen haben. Weiche Macht ist ein Prinzip der Evolution, das sofort in Kraft tritt, wenn sich das Prinzip des Vertrauens durchsetzt.