EDITORIAL

25.2.2021
Liebe Riesen auf Hausarrest,
​”Du bist nicht schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Du bist nur schuld, wenn sie so bleibt.” (Die Ärzte)
Ich denke heute morgen an alle Menschen in den verschiedenen Situationen – in Quarantäne, im Home Office oder im Flüchtlingslager, allein, in Familie oder Gemeinchaft, gesund oder krank, duldsam oder langsam sauer. Ehrlich gesagt – wir verhalten uns wie schlafende Riesen, die sich von selbst ernannten Experten auf Hausarrest haben schicken lassen. Was muss passieren, damit wir aufwachen? Damit wir Verantwortung übernehmen für die Welt, in der wir leben? Corona ist ja nur ein Katalysator von dem, was sich gesellschaftlich ohnehin angebahnt hat. Es kann jetzt auch ein Katalysator werden für die Alternativen, die wir jetzt um so dringender aufbauen müssen. Für den klugen und kreativen Widerstand gegen eine immer unmenschlichere Welt. Für die Entschlossenheit, um menschliche, nachhaltige, regenerative Zustände zu schaffen – in uns und um uns herum. Wenn wir das wirklich tun, werden wir merken, dass wir an Grenzen stoßen – in uns als Angst, um uns herum vielleicht als Ausgrenzung oder Anfeindung bis zur realen Strafe und Bedrohung. Aber auch dafür können wir Verantwortung übernehmen, klugt damit umgehen, es überwinden. Wir sind schließlich Riesen und können viel mehr, als wir denken – wenn wir uns gegenseitig unterstützen.
Ein Beispiel für eine so konsequentes Leben ist für mich Heini Staudinger. Er ist Unternehmer und Rebell, der einen Weg gefunden hat, seine Geschäftstätigkeit zu verbinden mit einer tiefen Anteilnahme am Schicksal anderer. Er gründete 1980 ein Schuhgeschäft in Wien, das sich zu dem unkonventionell geführten Unternehmen GEA/Waldviertler entwickelte mit Filialen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Er sagt: “Das Problem ist nicht der zivile Ungehorsam, sondern der zivile Gehorsam.” 

Herzlichen Gruß
Christa Leila Dregger

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Corona und die andere Realität

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Um Corona zu verstehen und um zu wissen, mit welchen Kräften diese Pandemie geheilt werden könnte, müssen wir einen weit geöffneten Blick auf das ganze Szenario unserer Zeit werfen.

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Sexualität ist eine heilige Lebenskraft

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Frauen haben viel zu lange mit einem viel zu kleinen Selbstbild gelebt. Sie mussten von klein auf lernen, sich zu schämen, sich zu verschleiern, ihren Körper an äußere Normen anzupassen – also nicht zu viel zu essen, nach außen immer freundlich zu lächeln, ihre Wut zu unterdrü­cken. Über die Jahrhunderte haben wir diese Lehre ver­innerlicht. Wir haben sie in all unseren Kulturen und poli­tischen Institutionen aufgenommen. Aber wir sehen heute eine neue Ent­wicklung in den Frauenbewegun­gen: Wir Frauen beginnen, eine tief in uns liegende Erinnerung an eine Vergangenheit wachzurufen, in der wir unser sexuelles Wesen frei zeigen durften. Nach 20 Jahren Erfahrung als Aktivistin sehe ich, dass das Patriarchat vor allem zwei Dinge getan hat: Erstens hat es den Mann seinem Herzen entfremdet. Es hat sozusagen seine Tränen in Gewehrkugeln verwandelt. Die große Aufgabe für Männer ist es daher heute, sich wieder mit ihrem Herzen zu verbinden, damit sie Mitgefühl und Liebe empfinden können.
Zweitens hat es die ursprüngliche Einheit der Frauen gespalten. So wie es Nationen und Kulturen spaltete, so hat es auch Frauen gegeneinander aufgebracht. Es hat Frauen das Paradigma des Kapitalismus übergestülpt und sie gelehrt, miteinander zu konkurrieren. Wir Frauen müssen das erkennen. Anstatt untereinander zu konkurrieren und uns gegenseitig zu verurteilen, müssen wir uns wieder zusammenschließen. Die Überwindung der Trennung kann schmerzhaft sein, weil wir darüber nachdenken müssen, was uns ursprünglich getrennt hat. Manchmal waren das sehr persönliche Dinge wie Eifersucht oder die Angst davor, nicht gehört zu werden.

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Sexualität und Gewalt

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Eine neue Frauenmacht ist nicht gegen den Mann gerichtet und nicht gegen unsere Liebe zu den Männern. Sie verlässt aber entschlossen diejenigen männlichen Strukturen, die zu der weltweiten Vernichtung des Lebens und der Liebe beigetragen haben. Es liegt jetzt an uns Frauen, die politische und sexuelle Verantwortung wieder anzunehmen, die so lange gefehlt hat. Wir laden alle Männer ein, sich unserer Friedensarbeit anzuschließen.

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