Ich habe erlebt, wohin diese Reise führt, wenn wir sie lang genug gehen. Es kommt ein Umschlagspunkt, und auf einmal lieben wir in intimster Weise die Welt. Ein Zeugnis über innere Umschaltung.

Ich bin im Licht. Ich tue nichts. Mein Inneres bleibt vollkommen ruhig. „Ich“ denke nicht, ich bleibe in der Ruhe, im unbewegten Zustand. Mein Inneres bleibt im unbewegten Zustand. Bilder und Gedanken scheinen von außen zu kommen aus einem Ozean von noetischem Rauschen, sie erreichen mich nicht.

Ich bleibe im unbewegten Zustand und kaue auf einer Mohrrübe. Langsam wird es heiß hier. Die Sonne scheint stärker. Es scheint in diesem Augenblick, als würde der Himmel klarer, weil die Wolken sich verziehen. Ich ziehe im unbewegten Zustand mein Hemd aus. Es geht ganz leicht. Es ist wunderschön, in diesem Zustand zu bleiben. Es ist eindeutig ein Zustand der Meditation. Es ist jetzt 12 Uhr 5. Ich ziehe mir die Schuhe aus und bleibe in diesem Zustand. Dann durchzuckt mich ein Gedanke. Merkwürdig, wie sich das anfühlt, wenn einen plötzlich ganz kurz etwas erreicht! Auf einmal wird man ergriffen, man ist nicht mehr Subjekt! Es ist wie ein kleiner Schlag gegen die Seele oder ein kleiner Schuss Adrenalin, ganz kurz, für eine Minisekunde. Es trifft einen, wie einen etwa eine Kugel trifft. Es ist eindeutig. Das ist diese Geschichte mit der Identifikation. Plötzlich bin ich mit etwas anderem identifiziert und verliere dadurch diese innere Ruhe, diese Position des unbewegten Zustandes. 

Ich nehme die unbewegte Position wieder ein. Ich danke dafür, es ist ein Glück, das tun zu können. Auch wenn jetzt ein etwas kühlerer Wind mich streift, bleibe ich in dem unbewegten Zustand. Wenn wir solchen Wind als unangenehm empfinden, dann wieder wegen dieser merkwürdigen Identifikation: der Wind „erreicht“ uns, und wir sagen „ich friere“. Ich bin also mit etwas identifiziert, was gar nicht ich bin. Ich bin nämlich dieser unbewegte Zustand, eindeutig. Es ist ein Zustand von Ananda, von Lebensfreude. Es ist ein gewünschter und ein gesegneter Zustand. Auf verschiedenen Skalen und Frequenzebenen befindet sich die ganze Welt in diesem Zustand – außer dem lärmenden Mental des Menschen, der diesen Zustand verlassen hat infolge der Grausamkeiten der patriarchalen Epoche. 

Die Menschen, die den Steinkreis von Almendres gebaut hatten, befanden sich noch in diesem Zustand. Sie konnten deshalb mit allen Wesen der Welt kommunizieren, denn dieser Zustand ist die universelle Daseinsform aller Dinge, wie ich sie unter anderem beschrieben habe in meinem Buch „Die Heilige Matrix“. Es ist der Zustand einer großen Kommunion. Erst als die Menschen aus diesem Zustand hinausgeworfen wurden, begann die Kettenreaktion von Angst und Gewalt auf der Erde. Und sie formierte sich zu einer kollektiven und globalen Holowelle, die jahrtausendelang über unseren Erdball zog und alle Länder, Völker und Kontinente unter sich erfasste und begrub. 

 In der Meditation müssen wir uns in zwei Richtungen behutsam absichern, denn ehe wir es richtig bemerken, beginnt schon wieder der mentale Lärm. Plötzlich erwacht man dann und merkt, wie man schon wieder in den Filmen und Ping-Pong-Spielen des alltäglichen Lebens war. Man war vollkommen abgerutscht, ohne es zu merken.

Die zweite Richtung ist die einer sich unmerklich anbahnenden inneren Betroffenheit. Was hier kommt, ist die Krankheit, ist die ganze schwarze Masse der Vergangenheit. Es ist die große verdichtete Verneinung des Lebens und der Freiheit und der Freude. Es kommt automatisch auf Bahnen, die immer und immer wieder geölt wurden durch Jahrhunderte und Jahrtausende der Geschichte hindurch. Es kommt auf leisesten Sohlen. Wir merken es nicht, wenn wir nicht wachsam werden. Wir werden Opfer einer dunklen Macht. Der Sucher hat die Aufgabe, denjenigen Ort im Bewusstsein aufzusuchen, an dem er nicht Opfer werden kann. Es ist eindeutig der Ort eines höheren Subjektes, welches mit dem universellen Bewusstsein verbunden oder mit ihm identisch ist, und das seine Präsenz, seine Macht und Weisheit aus dieser vollkommenen Vernetzung des Ganzen bezieht, im Zentrum aller übereinander gelagerten Schwingungsmuster und Existenzebenen unseres Universums. Wir brauchen uns um dieses Subjekt nicht zu kümmern, es ist einfach da. So, wie uns diese Energie umgibt, die wir als den „Fluss der Macht“ beschrieben haben und die uns überall durchströmt, so umgibt und durchströmt uns auch dieses Subjekt mit seiner Gegenwart. Wir können nicht sagen: Ich bin das Subjekt. Aber wir können sagen, dass jetzt das Subjekt durch mich hindurch spricht. Wir können das Subjekt nicht orten, nicht lokalisieren. Wir können ihm keinen Ort zuweisen. Es ist in uns und um uns. Es ist im Weltenstoff, und der Weltenstoff ist überall. 

Wären wir unmittelbar konfrontiert mit einem Problem, das wir nur lösen können, wenn wir ab jetzt dauerhaft im Zustand der Meditation verbleiben, weil sonst eine Katastrophe geschieht, weil zum Beispiel Menschen sterben, die wir lieben, weil wir alles verlieren, was wir aufgebaut haben, oder ähnliches – wäre das der Fall, dann würden wir sofort in eine innere Verfassung gehen, welche die Meditation dauerhaft aufrecht erhält. Wäre die Aufrechterhaltung dieses inneren Zustandes eine Frage von Leben und Tod, eine absolute Bedingung des Überlebens, eine absolute und eindeutige Voraussetzung der Heilung, dann würden wir nichts eiliger und gewissenhafter tun, als uns mit dieser Aufgabe ganz zu verbinden. Und genau das ist es: Der meditative Zustand ist die Bedingung des Lebens, die Bedingung der Kraft und der Weisheit, die wir für den Erfolg unserer weltweiten Heilungsarbeit brauchen. (…) 

 

 

Stufenleiter zur Gotteshöhe

Wir haben Position zu beziehen, wenn wir die vor uns liegenden Aufgaben lösen wollen. Wir müssen auf unsere Plätze gehen. Gemeint ist meistens nicht ein materieller Platz, sondern ein innerer Ankerplatz, ein innerer Montagepunkt, ein innerer Höhepunkt. Wir sind herausgefordert, unseren Aufenthaltsort Sprosse um Sprosse auf der Leiter immer höher zu legen – so wie man Sprosse für Sprosse auf der Leiter eines Sprungturms hochsteigt, bis man schließlich auf der oberen Plattform angelangt ist. 

 

Es handelt sich hier um eine ganz spezifische Form von Bewusstheit in der Gegenwart. Es ist eine ganz spezifische Form des Bewusstseins, sie ist signifikant anders als unsere alltägliche, gewohnte, herkömmliche Form. Wir sind uns in der alltäglichen Form durchaus bewusst, was wir gerade tun, was als nächstes zu tun ist, auf was wir jetzt Appetit haben usw. – dieses ganze Spektakel von tausend Dingen am Tag, die durch unser Bewusstsein gehen. Dieses Spektakel legt sich wie ein undurchdringliches Netz über diejenige Welt, über die ich gerade spreche: die Welt des Erwachens, des erwachten Bewusstseins, über die Welt, die uns hinaufführt zur Gotteshöhe, egal auf welcher Höhe der Leiter wir gerade stehen. Aber die Welt des herkömmlichen Alltags hat mit dieser Leiter gar nichts zu tun. Wir wissen nichts von dieser Leiter, wir sehen keine Leiter. Wir wissen nichts von der Gotteshöhe, nichts vom Weltenstoff – wir fühlen ihn nicht, sehen ihn nicht,wir visionieren ihn nicht. In gewisser Weise können wir sagen: Wir haben nicht Anteil an der Welt. Wir befinden uns in der dicht vernetzten Nebelwelt, in einem Kerkersystem, in welchem die eigentliche Welt in unsichtbarer Dunkelheit gefangen gehalten wird, abgedrängt durch den alltäglichen mentalen Lärm unserer Filme und konditionierten Reflexe.  

Wir brauchen diese Befreiung! Wir brauchen unbedingt ein Bewusstsein darüber, was hier zu befreien ist. Wir müssen immer wieder die Möglichkeit haben, durch die Meditation diesen Blick durchs Schlüsselloch zu werfen auf diese Wirklichkeit. Alles andere ist eine Fata Morgana. Es sind irrelevante und versprenkelte Reflexionen von etwas, aber es ist nicht die Wirklichkeit. Es ist eine Scheinwelt. Die Dinge, die sich infolge unserer Komplexe und Affekte von Wut und Rache, unserer Sorgen, zu kurz zu kommen oder einen Partner zu verlieren, als so beinharte Realität präsentieren, sind Teile einer Filmwelt, die keinen realen Anker hat, aber umso schlimmere Realitäten schafft. Hier muss die Heilung des Weltenstoffs geschehen.  

Die ganze derzeitige Gesellschaft lebt von diesen furchtbaren Realisationen unkontrollierter Gedanken, Reflexe und Imaginationen … Ein Spektakel ohne Ende, ein aufgeblasenes System ohne Anker und Kern, welches jeden Tag und jede Sekunde die fürchterlichen Dinge hervorbringt, von denen die Nachrichten voll sind. Wären die Menschen anders verankert, wären sie alle in ihrer reaktionsfreien Mitte, so würde diese ganze Kakophonie in sich zusammenbrechen und erlöschen.  

Es bleibt uns nichts anderes übrig als Position zu beziehen auf der Stufenleiter zur Gotteshöhe. Das heißt, wir müssen in den meditativen Zustand gehen, in dem sich alles wirkliche Leben befindet.  

Die Landschaft um mich herum liegt im Glanz der Mittagssonne. Beim Nachbarn bellen die Hunde. Im Gegenlicht leuchten die hellgrünen Blätter einer kleinen Palme. Wieder bin ich in dieser wundersamen Welt mit diesem speziellen Fluidum von Stille, Tiefe, Glück und Mächtigkeit. 

Es liegt Macht in dieser Welt. Friedensmacht. Wenn wir diesen Zustand bewahren können, können wir den Traum der Welt erkennen. Es ist so klar. Nie und nirgends ist der Geist präsenter als in diesem Zustand. Nie und nirgends ist er ruhiger, ungetrübter und sicherer als in diesem Zustand. Es ist der Geist eines höheren Subjektes.

 

Die Quelle aller Veränderungen

 Ich habe erlebt, wohin diese Reise führt, wenn wir sie lang genug gehen. Es kommt ein Umschlagpunkt, und auf einmal lieben wir in intimster Weise die Welt. Nicht nur einen Mann oder eine Frau oder eine Gemeinschaft oder eine Blume, sondern dieses Eine, dieses Eine göttliche Ganze. Wir lieben das, was uns in seine Arme nimmt, dem wir uns anvertrauen können, das uns so urvertraut und anvertraut ist wie eh und je. Wir lieben diese Allgegenwart einer personalen göttlichen Welt, einer unglaublich hohen Harmonie.

Wir erleben diese Gegenwart von Krishna und Vasudeva in allen Dingen. Wir spüren es überall. Es ist keine spirituelle Übung, wir erleben es. Satprem kennt das Erlebnis. Er schreibt in seinem Buch „Der Sonnenweg zum großen Selbst“:

Und dennoch ist allein Eines liebenswert, und solange Sie nicht alles lieben,
lieben Sie niemals wirklich und besitzen nichts als Ihren Schatten.

Auch Peace Pilgrim beschreibt, wie sie eines Morgens hinaus ging und sich auf einmal in dieser kosmischen Liebe befand. Sie liebte die Welt. Es ist die Wiederbegegnung mit der Urheimat, dem Urvertrauen. Das Wiedererkennen unserer totalen Zusammengehörigkeit mit der Welt und der Welt mit uns. Es ist die wirkliche Aufhebung der Trennung. Es ist die wirkliche Erfüllung dessen, was in allen Wegen angestrebt war. Es ist das Ziel der Reise: das Angekommen-Sein in derWelt, in unserer Heimat.

In dieser Erfahrung entdecken wir so etwas wie das kosmische Selbst. Wir entdecken das kosmische Selbst wie auch das globale Selbst der Erde. In dem Selbst liegt die absolute Zusammengehörigkeit aller Dinge.

Und es gibt noch eine zweite grundlegende Erfahrung, zu der uns dieser Weg der Meditation hinführt: die Erfahrung der spirituellen Macht. Jetzt thematisieren wir die Frage der Effizienz unserer ganzen Arbeit. Wir erfahren die Macht unseres Schalthebels. Deshalb konnte Jesus sagen: „Der Glaube kann Berge versetzen.“ Wir erfahren die Möglichkeit hier und jetzt, durch die Veränderung unserer Gedanken eine Drehung zu vollziehen, die sich in der ganzen Welt auswirkt –auswirken muss, weil in dieser konzentrierten Situation der inneren Unbewegtheit und Sammlung ein mikroskopischer Punkt der Macht in Resonanz tritt mit allen anderen mikroskopischen Punkten, die überall existieren und uns wie Orgon-Punkte umgeben.

Der wesentliche Punkt dabei aber ist, dass wir uns in Gegenwart einer Energie, das heißt einer Macht befinden. Und dort stehen wir schlicht und einfach vor der Quelle aller Veränderungen, die auf der Welt möglich sind. Wir können uns auf das eine oder auf das andere abstimmen, eine Harmonie oder eine Kakophonie erzeugen. Nichts aber hindert uns, kein einziger Umstand der Welt, keine einzige schicksalhafte Begebenheit, kein einziges der sogenannten unausweichlichenGesetze, dass wir unsere Antenne hierhin oder dorthin richten und den trüben und katastrophischen Fluss augenblicklich in einen lichten Strom verwandeln. Man muss wissen, wohin man sich öffnet.

Aus dem Buch: Der immanente Gott – Fundamente der Befreiung. Von Dieter Duhm.