“Denn es ist die Liebe, um welche die ganze Menschheit kreist wie die Sternenwelt um den Polarstern.”

Ich beginne mit einer Wahrheit, die im gegenwärtigen Diskurs noch kaum vorkommt, weil sie meistens noch zu weit außerhalb unserer Möglichkeiten zu liegen scheint. Die Wahrheit heißt: Erde und Menschheit sind in kurzer Zeit heilbar. Über und in allem irdischen Leben existiert ein kosmisches Heilfeld. Wenn ein Organismus mit diesem Heilfeld verbunden wird, werden seine Selbstheilungskräfte aktiviert. Je stärker die Verbindung, desto stärker und grenzenloser wirken die Heilkräfte bis zu jenen Phänomenen, die wir als „Wunderheilung“ bezeichnen. Das gilt für den einzelnen Menschen, es könnte aber auch für die ganze Menschheit gelten.

Die Menschheit befindet sich heute zum ersten Mal in ihrer Geschichte in einer realen eschatologischen (endzeitlichen) Situation. Das heißt: Eine Fortsetzung unserer Existenz auf dem Planeten Erde wird unter Beibehaltung unserer bisherigen Lebens- und Denkformen nicht mehr möglich sein. Sie wird nur dann möglich sein, wenn wir die Grundlagen und Bezugssysteme unseres Daseins grundlegend verändern und unser Leben auf eine neue Grundlage stellen. Ich meine damit die Umstellung unserer bisherigen Lebensgewohnheiten auf die Grundlage der höheren Lebensordnung, wie ich sie in meinen Büchern unter dem Begriff der „Heiligen Matrix“ und der „anderen Realität“ beschrieben habe.

Noch einmal die Grundaussagen: Neben der alltäglichen Realität gibt es eine höhere, göttliche Welt, wir nannten sie die „andere Realität“. Sie enthält eine andere Funktionslogik und eine andere Macht für Heilung und Rettung. Der Übergang von der einen in die andere Realität ist die Transformation, von der wir heute sprechen.

Durch die innere Öffnung für die andere Realität überschreiten wir unsere individuellen Ich-Grenzen und gewinnen Kräfte, die weit über unser eigenes Leben oder das unserer Gemeinschaften hinausreichen, denn es sind universelle Weltkräfte des Lebens und der Liebe. In der Verbundenheit mit diesen Kräften sind es nicht mehr „wir“, die die globale Transformation vollbringen, sondern sie vollzieht sich in uns und durch uns hindurch – von selbst. Wir erleben dieses „Von-Selbst“ in gesegneten Situationen der Kunst, der Malerei und Musik, des Tanzes und der Liebe. Dieses große „Von-Selbst“, das „Wu-Wei“ der Taoisten, das „Sorget-nicht“ von Jesus, ist das Geheimnis aller Dinge, wenn sie wieder heimkehren in die Verbundenheit des Alls. Zu diesem Thema haben wir vor vielen Jahren unsere Wüstencamps auf der kanarischen Insel La Graciosa gemacht. Wenn dieser Wechsel nicht mehr nur in einem Einzelnen geschieht, sondern in Gemeinschaften und sozialen Netzwerken, beginnt in der geistigen Aura der Menschheit eine neue Bewegung, eine neue Initiation.

Wir sprechen heute etwas salopp vom „Systemwechsel“, sollten aber so tief, so intelligent und gewissenhaft wie möglich in die Tiefe schauen, um zu erkennen, um welchen Systemwechsel es sich handelt. Das alte System, das des globalen Kapitalismus, des Materialismus und der alten Religionen ist nicht mehr haltbar, darin besteht weitgehende Einigkeit. Aber durch welches andere System soll es ersetzt werden? Wir können die alten Strukturen nur überwinden, wenn wir ein überzeugendes Bild von einer nachkapitalistischen Welt gefunden haben. Wir können auch unsere alten Liebes- und Beziehungsbilder nur überwinden, wenn wir ein neues, höheres Bild der Liebe gefunden haben. Der Systemwechsel, um den es heute geht, ist auch ein Systemwechsel in der Liebe.

Die seelische Infrastruktur der Menschheit braucht eine neue Orientierung. Es sind ja die seelischen Innenkräfte, welche alle äußeren Dinge hervorbringen – von Verwüstung und Krieg bis zu Liebe, Versöhnung und Gemeinschaft. Die neuen Innenkräfte entstehen aus einer wiedergefundenen Verbindung mit der göttlichen Welt. Damit meine ich nicht die alten Religionen, sondern die Kooperation mit der kosmischen Wirklichkeit, mit ihren besonderen Kräften der Heilung, der Liebe und der Auferstehung. Millionen von Menschen sind aufgebrochen, um aus ihrer eingemauerten Existenz den Ausweg zu finden, einen Ausweg aus den Krusten einer veralteten Welt und einen Ausweg aus dem Labyrinth der Liebe. Denn es ist die Liebe, um welche die ganze Menschheit kreist wie die Sternenwelt um den Polarstern.

(Aus dem unveröffentlichten Text: Gedanken zur gegenwärtigen Situation der Menschheit – wo ist der Ausweg? Dieter Duhm, Mai 2020)