Die politischen, ökologischen und menschlichen Ereignisse dieses Jahres haben mich zu einer eindeutigen Entscheidung geführt: Ich möchte mich mit aller Kraft, aller Freude und aller Kreativität, die mir zur Verfügung stehen, dafür einsetzen, ein großes Vorhaben global ins Gespräch zu bringen. Es lässt sich zusammenfassen in folgender Aussage:
Wir Menschen haben die Möglichkeit, die Erde innerhalb relativ kurzer Zeit in ein Paradies zu verwandeln, in einen Planeten, auf dem es keine Gewalt und keine Angst mehr gibt.
Ich weiß, wie unglaubwürdig diese Behauptung klingt. In den meisten Fällen wird sie einfach überhört. Sie steht zu weit außerhalb dessen, was uns menschenmöglich erscheint. Und doch ist sie realistisch. Ich sage dies, ohne meine Augen zu verschließen vor dem, was zur Zeit auf dieser Erde geschieht, vor den Kriegen und Falschmeldungen, mit denen sie ermöglicht werden, vor dem Raubbau an Natur und Erde, vor den Bränden im Amazonas und dem Kampf der Jugend in Hongkong, vor dem Schicksal der Flüchtenden und Ertrinkenden.
Ich möchte an dieser Stelle auch ein mögliches Missverständnis aufgreifen: Es handelt sich bei diesem Vorhaben um kein leeres Heilsversprechen. „Innerhalb relativ kurzer Zeit“ heißt auch nicht „locker und im Handumdrehen“. Wenn es so leicht wäre, dann hätte die Menschheit diese Möglichkeit schon lange entdeckt. Es geht hier um eine Idee, die all unsere menschliche Intelligenz, unsere Liebe zur Wahrheit, unseren Willen, unsere Fähigkeit zur globalen Anteilnahme und unsere Tatkraft verlangt.
Ich suche Menschen, die den Mut haben, sich aus Liebe zur Erde auf diese Aussage einzulassen, sich die Zeit nehmen, sie zu überprüfen und nach und nach anderen mitzuteilen. Das ist der Sinn dieses Briefes.
Mein erster Schritt besteht darin, ein kompaktes Buch zusammenzustellen, das begründet, warum das Vorhaben realistisch ist und welche Schritte nötig sind, um es zu verwirklichen. Ich gebe ihm den Arbeitstitel: Der Plan.
Gleichzeitig möchte ich einen Kreis von Menschen um dieses Projekt herum versammeln, die den Plan Schritt für Schritt und Gedanke für Gedanke aufnehmen, studieren und ihn sich zu eigen machen. Ich träume davon, dass es uns gelingt, das Buch schon im nächsten Jahr 2020 in viele Sprachen zu übersetzen und möglichst gleichzeitig herauszubringen. Je mehr Menschen über diese Perspektive sprechen, umso stärker wird dieses Zukunftsbild beleuchtet, umso sichtbarer wird es für immer mehr Menschen und umso mehr Anziehungskraft kann es entfalten.
Nichts braucht die Menschheit heute mehr als eine Idee, wie der drohende Zusammenbruch der großen Systeme – der ökologischen, klimatischen, ökonomischen, politischen und sozialen Systeme – in eine konstruktive Richtung gedreht werden kann.
Doch gleichzeitig wird nichts mehr abgelehnt und bekämpft als eine Antwort, die Hoffnung gibt. Das ist schwer zu nehmen und doch verständlich. Nach all den Verirrungen der Geschichte ist der Mensch an dieser Stelle besonders misstrauisch. Er will keine Lösung mehr hören. Zu oft wurde er in die Irre geführt und betrogen. Hinzu kommt noch ein besonderer Umstand. Abdullah Öcalan, der seit 1999 in der Türkei inhaftierte Führer der Kurden, hat ihn treffend benannt:
Die wahre Kraft der kapitalistischen Moderne ist nicht ihr Geld oder ihre Waffen; die wahre Macht beruht auf ihrer Fähigkeit, alle Utopien im Keim zu ersticken.
Das ist die Schwelle, die ich gemeinsam mit allen Interessierten nehmen möchte. Eine hoffnungsgebende Information, eine realistische Utopie, soll durch die eigenen traumatischen Schichten hindurch unser Herz berühren und durch das engmaschige Netz der kapitalistischen Medienwelt ins öffentliche Gespräch gebracht werden. Damit hätte unsere humane Revolution einen vielleicht noch unauffälligen, aber bereits ersten Etappensieg errungen. Ich träume davon, diesen Etappensieg zusammen mit allen Beteiligten noch im Jahr 2020 feiern. Stellt euch vor, das Vorhaben, die Erde innerhalb kurzer Zeit in ein Paradies zu verwandeln, würde sich in immer mehr Menschen verankern, weil sie verstanden haben, auf welchem Weg dieses Ziel erreicht werden kann. Stellt euch vor, welche Zusammenarbeit und Kraft dabei entstehen wird!
Es geht mir im Moment nicht darum, eine Massenbewegung zu initiieren, sondern akupunkturhaft ein Milieu zu schaffen, in dem sich der Gedanke verdichten kann. Ich denke, dass dies durch den Aufbau eines Kreises von Menschen geschehen wird, die eine hochgespannte Vision in sich verankern und ihrerseits wiederum Kreise von Menschen um sich versammeln.

Jetzt noch eine persönliche Anmerkung:
Die Aussage, dass wir Menschen die Erde innerhalb kurzer Zeit von Angst und Gewalt befreien können, stammt nicht von mir. Ich habe sie vor vielen Jahren in dem Buch „Politische Texte für eine gewaltfreie Erde“ von Dieter Duhm gelesen. Sie hat mich erschüttert. Ich musste alles tun, um herauszufinden, ob sie stimmt oder nicht. Wie soll das möglich sein? So habe ich Duhms Bücher und Schriften studiert. Am Anfang vor allem auch diejenigen Quellen, auf die er sich bezieht. Das war wichtig für mich, um keine Anhängerin, sondern Mitdenkerin zu werden. In vielen persönlichen Gesprächen mit Dieter Duhm konnte ich den Stoff weiter vertiefen. Was sein Werk einzigartig macht, ist der Versuch, die Vision von einer Zukunft ohne Krieg so tief zu erfassen, dass sich daraus ein Konzept für die Verwirklichung entwickeln konnte. Das geplante Buch wird sich deswegen stark auf Dieter Duhm beziehen.
Aber das Bild der Zukunft, das Dieter Duhm mit seinem „Plan der Heilungsbiotope“ realisieren will, kann keiner einzelnen Person zugeschrieben werden. Es leuchtet in ähnlicher Weise überall auf der Erde auf. Man findet Aspekte davon im Konzept von „Buen Vivir“ aus der indigenen Welt der Anden Lateinamerikas, in den Lebensregeln der kolumbianischen Friedensgemeinschaft von San José, zum Teil auch in der Anastasia-Bewegung Russlands, in der Idee von „Ndanifor“ (Seele der Gemeinschaft) aus Kamerun, in der sozialen Organisation von Rojava in Norden Syriens, in der Sehnsucht von Millionen Menschen weltweit, in Gemeinschaft zu leben, oder… oder… Überall finden wir Aspekte der gleichen Botschaft.
Ich frage dich: Wie sollen wir den großen Plan der Evolution nennen, der all diese Bewegungen, Gedanken und Konzepte hervorbringt mit dem Ziel, die Erde mit Hilfe bewusster Menschen in ein Paradies zu verwandeln?

Ich danke fürs Lesen und Zuhören.

Und nun meine Fragen:
Machst Du mit beim Studium und bei der Verbreitung des Plans?
Hast Du Interesse, dich auf andere Art einzubringen, z.B. durch Mithilfe bei den Übersetzungen oder durch andere Kenntnisse?
Hast du eine Idee, wie wir den Plan nennen sollen?
Hast du eine andere Idee, die du mitteilen und einbringen möchtest?