Seit über hundert Jahren versuchen Physiker und Philosophen, sich einen Reim auf die vielfältigen Wunder der Quantenphysik zu machen. Sie erkannten, dass subatomare Entitäten, z.B. Elektronen, sich auf wundersame und magische Weisen verhalten. Sie existieren nicht „an sich“ als feste, fertige Teilchen; sie tauchen im einen Moment als Welle und im anderen Moment als Teilchen auf, je nachdem, ob sie beobachtet werden oder nicht. Tatsächlich ist unsere Wahrnehmung der Welt nicht nur passiv, sondern auch schöpferisch – sie in-formiert wortwörtlich ihr Wesen und ihre Wirklichkeit. Die Quantenphysik verführt uns in eine Sicht der Wirklichkeit, in der die scheinbar „objektive“ Wirklichkeit da draußen und die angeblich rein „subjektive“ Erfahrung „hier drinnen“ unzertrennbar miteinander verwoben sind. So wie die Figuren und Ereignisse eines Traumes nicht vom Träumer getrennt verstanden werden können, ist die Welt selbst – in den Worten des großen Psychoanalytikers C. G. Jung – ein lebendiges Symbol, eine Verkörperung tieferer Seelenteile unser selbst, die wir kollektiv in die Existenz träumen.

Welche Bedeutung erkennen wir in Covid-19, wenn wir uns der Wirklichkeit auf diese Weise nähern? Durch spirituelle Erfahrungen und Studien habe ich gelernt, dass Krankheiten selten ohne Grund in unser Leben treten. Sie tragen oft tiefere Botschaften in sich. Konflikte, Sehnsüchte und Lebenstriebe, die unser Verstand unterdrückt, können sich beispielsweise durch körperliche Symptome zu erkennen geben. Heilung geschieht oft in dem Moment, in dem wir erkennen, was wir unterdrückt haben und warum. Solche Erkenntnisse können das Leben verändern. In diesem Sinne können wir sagen, dass das Gegenmittel – oder in diesem Fall, das Anti-Virus – in der Krankheit selbst versteckt liegt, als Heilungsgeschenk einer transformatorischen Erkenntnis. Wenn wir ausschließlich die Symptome bekämpfen, ohne die tiefere Wurzel zu erkunden, werden wir die Krankheit vielleicht jetzt überstehen. Aber diese oder andere Symptome werden wahrscheinlich wiederkehren.

Was für eine individuelle Krankheit gilt, könnte auch auf Epidemien oder Pandemien zutreffen. In seinem provokativen Buch „Selbstzerstörung aus Verlassenheit“ schreibt der Psychotherapeut Franz Renggli die Große Pest im 14. Jahrhundert, der 30-60% der Bevölkerung im christlichen Europa zum Opfer fielen, dem Ausbruch einer Massenpsychose zu. Er schreibt:
Mein psycho- oder besser sozio-somatisches Modell ist die Psycho-Neuro-Immunologie: Nicht ein Bakterium oder ein Virus steht im Zentrum, sondern die Menschen einer Gesellschaft, welche durch eine Krise erschüttert worden sind. Dauert sie zu lange, ist sie zu heftig oder zu traumatisierend, wird das Immunsystem der Bevölkerung langsam schwächer und bricht schließlich zusammen. Die Menschen werden „offen” für eine Krankheit und schließlich für den Tod. Dieses Modell ist gültig für jede Epidemie und kann als Schlüssel verstanden werden zu einem neuen Verständnis der Geschichte. Im Jahrhundert, das dem „schwarzen Tod“ voranging, so argumentiert er, begann die katholische Kirche, die Mütter anzuweisen, sich Tag und Nacht von ihren Kindern getrennt zu halten. Kinder, die im 13. und 14. Jahrhundert aufwuchsen, litten daher an einem kollektiven Trauma von früher Abweisung und Verlassenheit. Renggli zeigt, dass Regionen, in denen Mütter weiterhin körperlichen Kontakt mit ihren Kindern pflegten, von der Pest oft weitgehend verschont blieben.

Könnten wir jetzt ein ähnliches Phänomen erleben?
Wie konnte das Gespenst von Covid-19 die Menschheit derartig tyrannisieren und im Nullkommanichts zum Stillstand zu bringen? Weil das Narrativ ungeheuer stark mit etwas in Resonanz geriet, das sich latent im kollektiven Unbewussten der Menschheit befindet und tief unterdrückt wird.
Der „mentale“ Coronavirus verbreitete sich früher, schneller und deutlich effizienter als sein biologisches Pendant. Als Covid-19 anfing, Schlagzeilen zu machen und die Nachrichten zu dominieren, hatten Menschen plötzlich eine „objektive“ Rechtfertigung für die Angst und Verzweiflung, die sich unterbewusst schon lange in ihnen aufgestaut hatte. Zwischen dem stündlichen Ansturm angsteinflößender Meldungen in den Medien und den wachsenden ängstlichen Erwartungen in den Köpfen entwickelte sich eine Feedbackschleife, die die Menschheit in einem neurotischen Teufelskreis gefangen nahm. Jeder neue Fall in der Nachbarschaft oder Region, jeder Huster in der U-Bahn, jeder Fremde, der zu nahe kommt, verstärkt das unheimliche Gefühl allgegenwärtiger Gefahr. Je mehr wir über Krankheit nachdenken, desto größer die Angst. Und je mehr Angst uns dominiert, desto schwächer wird tatsächlich unser Immunsystem und desto wahrscheinlicher bekommen wir Symptome. Selbst wenn wir diesen Mechanismus erkennen, können wir ihn nicht ohne Weiteres stoppen. Versuche nicht, an einen rosaroten Elefanten zu denken.
Es gibt viele Beweise dafür, wie konkret sich die psychisch-spirituelle Dimension auf die materielle Ebene auswirkt. Die erstaunlich weitreichenden Wirkweisen des Placebo-Effekts auf den menschlichen Organismus sind gut dokumentiert; ebenso zeigen Studien, wie emotioneller Stress, chronische Angst und Einsamkeit das Immunsystem gefährlich schwächen und unsere Gesundheit angreifen können.
Ich möchte damit nicht behaupten, dass Covid-19 ein „Hoax“ ist, noch ist es meine Absicht, die Tragödie, die so viele Menschen durchleben müssen, herunterzuspielen oder zu verleugnen. Vielmehr möchte ich dazu einladen, dass wir anders auf dieses Phänomen schauen: Was wäre, wenn Covid-19 keine von unserem Geist und unserer Seele unabhängige Gefahr darstellt, sondern es sich tatsächlich um ein Quantenphänomen handelt – ein gemeinsames Traum-Ereignis, das wir kollektiv in die Existenz gerufen haben? Die Verkörperung von etwas, das in den Tiefen des kollektiven Unterbewusstseins vergaben liegt und wir bislang noch nicht begreifen konnten? Das lebendige Symbol einer viel tieferen Infektion?

Mentale Viren und die Magie der Angst

Auf die mündlichen Traditionen verschiedener indigener Kulturen Nordamerikas zurückgreifend, schreibt der indianische Gelehrte Jack D. Forbes in seinem Buch „Columbus and Other Cannibals“: „Seit mehreren Jahrtausenden haben Menschen unter einer Pest gelitten, schlimmer als Lepra, eine Krankheit, schrecklicher als Malaria und entsetzlicher als die Pocken.“ Die Algonquin und andere indigene Völker bezeichneten die Geisteskrankheit des weißen Mannes, der im 15. und 16. Jahrhundert in ihren Heimatländern ankam, als „Wetiko“. Wörtlich übersetzt bedeutet das Kannibalismus: „der Konsum eines anderen Lebens für den eigenen privaten Nutzen oder Profit.“
Forbes schließt daraus: „Diese Krankheit ist die schlimmste Epidemie, die der Mensch jemals erlebt hat.“
Wetiko – oft als mentales Virus verstanden – verbreitet die tiefsitzende Illusion, als Mensch hoffnungslos im Käfig eines von der Welt getrennten Egos gefangen zu sein. Aus dieser Perspektive der Isolation erscheinen andere entweder als Konkurrenten oder (mögliche) Beute. In einem Weltbild der Angst erscheinen Kampf und Ausbeutung als rational – und Anteilnahme als lächerliches und sentimentales Gefühl.
Nach 5000 Jahren Patriarchat, 500 Jahren Kapitalismus und 50 Jahren Neoliberalismus bestimmt die Wetiko-Krankheit fast alle Bereiche unserer westlichen Gesellschaft. Dass wir ein ökonomisches System akzeptieren, welches die größtmögliche Vernichtung der natürlichen Welt als „Erfolg“ feiert, ist ein Symptom unserer Infizierung mit dem Virus. Wetiko hat unsere Herzen betäubt und macht es uns unmöglich, die Heiligkeit und den Schmerz des Lebens zu empfinden – weder in uns noch um uns herum. Unzählige Wesen gehen heute an dieser chronischen Unfähigkeit zum Mitgefühl zugrunde.
Von der zwanghaften Fixierung auf künstliche Werte wie die Profitmaximierung in der Ökonomie bis zur Pandemie gescheiterter und missbräuchlicher Liebesbeziehungen wurde die Wetiko-Krankheit so weit Teil unserer Normalität, dass sie kaum noch als Krankheit erkannt wird. Ein Kult von Selbstbezogenheit hat das soziale Gewebe der Menschheit von innen her verfault gemacht und die Erde entheiligt. Die Folge ist eine Welt voller Angst – Angst vor Trennung, Angst vor dem Tod, Angst vor dem Leben, vor Sexualität, vor Bestrafung, vor dem kommenden Kollaps… Hinter der Fassade bürgerlichen Anstands verbirgt sich ein psychologischer Untergrund, in dem die Folgen der strukturellen Angst ungehindert um sich greifen: Dauerwut, allgemeines Misstrauen, Sucht, Depression, Langeweile, Perversion, zwanghafter Konsumismus, Kontrollzwang und eine heimliche oder offene Faszination für Gewalt.
Das Narrativ von Covid-19 konnte die Menschheit deshalb in so kurzer Zeit in seinen Bann ziehen, weil die Angst in der Menschheit so unbewusst und tief eingefleischt ist. Wir können kaum noch wahrnehmen, was in uns tatsächlich geschieht.
Die Tragödie ist, dass das Wetiko-Virus im Schatten unseres Bewusstseins arbeitet. Wir infizieren uns und andere unwissentlich. Wie Forbes schreibt, wurden wir auf die Krankheit durch „autoritäre Familienstrukturen,“ „männliche Dominanz,“ „Unterwerfung von Frauen“ und „extrem negative Einstellungen zu Sex“ konditioniert – und auf einer ideologischen Ebene durch „Ansichten von rassistischer und kultureller Überlegenheit“. Einmal in diesem Käfig gefangen, geben wir die Krankheit gedankenlos in unseren täglichen Interaktionen an andere weiter, indem wir gegenseitig unsere blinden Flecken und Schmerzpunkte unbewusst aktivieren. Indem wir das, was wir innerlich fürchten, auf andere Menschen oder äußere Ereignisse projizieren, gebenwir unserer Angst Bestätigung und verdrängen ihre wirkliche Quelle weiter. Weil wir glauben, die Gefahr sei außerhalb von uns, versuchen wir uns vor ihr zu schützen und handeln dabei oft auf eine Weise, die die Gefahr, vor der wir uns zu schützen versuchen, verstärkt. Der Psychologe C.G. Jung beschreibt diesen Teufelskreis als „Schattenprojektion“.
In dem Maß, wie wir uns unbewusst von Angst steuern lassen, werden wir anfällig für Manipulation. Wenn Millionen von Menschen ihre Schatten auf andere projizieren, beschwören sie die Gefahr herauf, der sie zu entkommen suchen. Wilhelm Reich hat während Hitlers Aufstieg diese Dynamik in deutlichen Worten benannt (siehe sein 1933 erschienenes Buch „Die Massenpsychologie des Faschismus“). Sie bilden bis heute das seelische Fundament jedes totalitären Systems. Dieses System braucht immer Feinde. Nach dem 11. September wurde uns gesagt, dass die muslimische Welt unser Feind sei. Heute ist der „Feind“ unsichtbar. Er könnte uns an jeder Türklinke erwarten, in einem Kuss, jeder Umarmung oder sogar beim Atmen infizieren. Je extravaganter das neurotische Kino, das in unseren Köpfen spielt, umso leichter ist es für andere, uns zu kontrollieren und für ihre Interessen zu nutzen.

Die große Enthüllung

Der Covid-19-Ausbruch ist weit mehr als nur eine schwere Prüfung für die Menschheit. Er hält darüber hinaus die Möglichkeit einer kollektiven Heilung von der kannibalistischen Masseninfektion des Wetiko bereit. Wir können sie als eine globale Somatisierung – oder symbolische Simulation – der dahinterliegenden Wetiko-Krankheit verstehen. Wie bei jedem ernsthaften Krankheitsausbruch lösen sich nun die tieferen Muster und werden klar sichtbar.

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* Aus dem Englischen von Jana Mohaupt übersetzt. Originalfassung erschien am 13. April im „Kosmos Journal“.